Willkommen bei Parascha – Die Junge Tora

Paraschat Wajeschev

Mit dieser Parscha beginnt die Josefs-Geschichte. Wenn man es literarisch genau nimmt, ist das ein sehr eigenständiger erzählerischer Komplex, in dem Josef die Hauptrolle spielt. Dass immerzu die Jüngeren den Vorzug erhalten, ist dabei noch gar nicht neu: Jizchak wurde Jischmael vorgezogen (immerhin der Erstgeborene von Avraham), Jaakov dem Esaw. Warum also nicht auch Josef, der zwar nicht der Jüngste, aber doch der Zweitjüngste der Kinder Jaakovs ist. Aber in diese Geschichte schwingt eine Unbeschwertheit hinein, die wir bislang noch nicht gekannt haben: Jaakov muss um seine Frau Rachel kämpfen, muss auch für die Freiheit von Lavan kämpfen, das ist alles nicht lustig. Jetzt tritt aber eine Person in den Vordergrund, die im wahrsten Sinn des  Wortes ein Träumer ist. Ein Naivling, der von den Rankünen seiner Brüder nichts mitbekommt und deshalb versklavt wird, der auch von den Avancen einer verheirateten Dame nichts wissen will, und deshalb im Gefängnis landet. Trotz aller Missgeschicke ist Josef aber kein „tragischer Held“, im Gegenteil. So sehr ihn das „Schicksal“ trifft, so sehr weiß er sich mit der jeweiligen Situation zu arrangieren und das Beste daraus zu machen. Und wir wissen ja alle, wie die Geschichte ausgeht: glücklich. Die Unbeschwertheit eines Josef ermöglicht die Versöhnung mit seinen Brüdern, die Familie Jaakovs darf einen neuen Anfang setzen. Dadurch wird immerhin nichts Geringeres erreicht, als das Volk Jisrael als eigenständige Größe zu etablieren.